" MuKie Funk-Therapie" (Mund-Kiefer-Funktionstherapie)

Myofunktionelle Störungen sind die Störung eines motorischen Funktionssystems und äußern sich durch Störungen des motorischen Lernens. In der "MuKie Funk Therapie" geht es um eine effiziente Behandlung  myofunktioneller Störungen mit oder ohne zusätzlichem Sigmatismus oder Schetismus für alle Altersstufen ab Grundschulalter. Drei Behandlungsbereiche werden miteinander verknüpft:

  • aktive Funktionsbehandlung des Kauens, Schluckens, Atmens und der Zungenruhelage
  • Spannungsausgleich in den Muskeln durch manuelle Arbeit
  • Erarbeitung von motorischem Lernprozessen

Fehlerhafte und fehlende Bewegungsmuster werden aufgedeckt und funktionelle Zusammenhänge im ganzen Körper genutzt. Um physiologische und kompensationsarme Aktivitäten zu etablieren, sowie angemessene Muskelspannung  und – elastizität zu erreichen, werden mit den Händen Spannungsbereiche ausgeglichen und Gewebestrukturen mobilisiert. Die Identifizierung  von Lernfähigkeiten des Patienten und das Anbieten von patientenorientierten Lernstrategien fördert die Fähigkeit zum Eigenüben und Transfer der motorischen Fähigkeiten.

Altersunabhängig  wird ein Umprogrammierungsprozess angeregt. Dies gelingt durch eine hohe Komplexität des Aktivitäts- und Übungsangebotes. Isolierte Zungen-, Lippen- oder Kieferbewegungen werden nur selten eingesetzt, da sie für das Gehirn keinen Sinn ergeben und daher keine neuen motorischen Muster abgespeichert werden. 

 

Die MuKie Funk-Therapie basiert auf verschiedenen Ansätzen:

http://www.renatahorst.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Differenzielles_Lernen

Youtube: Differenzielles Lernen https://www.youtube.com/watch?v=3RbJ7dtoVTw&t=26s

http://www.scodoni.ch/k-o-s-treg-im-orofazialen-system-und-basler-laumlllekonzept.html

https://www.paepki.de/index.php/die-paepki-foerdermethode-im-vor-und-grundschulalter/

 

Therapieschritte

  • Die Wirksamkeit einer Therapie ist abhängig von der Formulierung der Ziele: korrektes Schluckmuster bei jedem Schlucken (Spucke, Trinken und Essen), richtige Zungenruhelage, Nasenatmung und Mundschluss. Ein unklares Ziel hemmt Motivation und blockiert Eigeninitiative.
  • Ich gebe die motorischen Lernschritte vor und fülle sie mit erreichbaren motorischem Lernerfolg.  Im Verlauf der Behandlung können mehrere Ziele verfolgt und in unterschiedlichen Tempi erreicht werden. Das tatsächliche Erreichen von vorgegebenen Teilzielen gibt dem Patienten Sicherheit, motiviert zum täglichen Üben und fängt mögliches Scheitern ab. 
  • In der ersten Stunde werden, angepasst an die motorischen Fähigkeiten, ein bis zwei motorisch komplexe Übungen erarbeitet, die der Patient täglich einige Minuten üben soll. Es geht nicht darum die Bewegungen perfekt zu machen.
  • Er nimmt diese Übungen möglichst selbst mit seinem Smartphone als Photo oder Film auf oder ich gebe einen Übungszettel mit. Beispielsweise beginnt es mit : „mehrfach mit der Zungenspitze an den ZRL (Zungenruhelagepunkt = oben hinter den Schneidezähnen) tippen“ ,  „mit einem Trinkschlauch Wasser ansaugen, Zähne dabei aufeinander halten und den Schlauch beim Schlucken oben festhalten", "die Zunge an den gaumen saugen und abschnalzen" u.a.. Es passieren sicher Fehler und die Übung gelingt nicht sofort, der Schlauch fällt raus, die Zunge rutscht zu den Zähnen, aber dieses Ausprobieren führt zum Lernen. 
  • Durch stetiges Anpassen der Übungen wird die Muskelfunktion Schritt für Schritt dem physiologischen Ablauf angenähert. 
  • Wie schnell der Veränderungsprozess gelingt hängt ab von der motorischen Geschicklichkeit, dem Spannungsaufbau der Muskeln im Mund-Gesichtsbereich, der Durchhaltefähigkeit im Lernprozess, der Zahn-und Kieferstellung, vorwiegend der Okklusion, dem Verständnis für die Ziele: z.B. Schlucken und korrekte Position der Zungenruhelage.
  • In jeder Therapieeinheit wird möglichst in allen Bereichen geübt: Kauen, Schlucken, Zungenruhelage und Atmung, immer angebunden an das Körpersystem und Relevanz für den Alltag. 

Zuhause üben

 

Um die häuslichen Übungen motorisch kontrolliert und zielorientiert, sowie mit Freude am Ausprobieren durchführen zu können, erlernt der Patient vorwiegend die „Selbstkontrolle“. Geübt wird die Eigenkontrolle für motorische Vorgänge so z.B. Wasser mit einen Trinkschlauch aus Silikon an den Zungenruhelagepunkt ansaugen und korrekt abschlucken, um die Zungenkraft für das Schlucken zu steigern

  • Wöchentlich analysieren wir die Verbesserungen und achten auf mögliche Kompensationsmuster. Ein verkürzter Nacken und somit unelastischer Okziput (Verbindungsmuskulatur von Halswirbelsäule zu Hinterhaupt), verhindern den Kraftaufbau der Muskulatur oberhalb des Zungenbeins und somit gelingt das Ansaugen der Zunge nicht und der intraoraler Druck (notwendig für das korrekte Schlucken) kann nicht gesteigert werden.
  • Entweder werden ungünstige Spannungsverhältnisse über motorische Bewegungen abgebaut oder durch direktes Mobilisieren des Muskels während der Ausübung der aktiven mundmotorischen Bewegungen verändert. Beispielsweise wird Zug auf die Kiefermuskeln gegeben, während sich die Zunge zur Seite bewegt.
  • Nach zwei bis drei Therapieeinheiten und guter Eigeninitiative, sollten sich motorische Leistungen wie der intraorale Druckaufbau durch Wangen und Zunge begonnen haben, aufzubauen. Spätestens nach 10 Einheiten müssen die Basisübungen physiologisch durchführbar sein und der Patient kann in eine therapiefreie Übungsphase von 4-6 Wochen entlassen werden. 
  • Ich arbeite eng mit Ergo- und PhysiotherapeutInnen sowie und OsteopathInnen zusammen. Sollten sich innerhalb der ersten 10 Stunden keine Fortschritte ergeben, liegt es nahe, dass zusätzliche Störungen vorliegen und so eine Behandlung bei anderen Professionen sinnvoll ist. Häufig reichen osteopathische Behandlungen aus, um tiefer liegende Hemmnisse zum motorischen Lernen zu beheben.